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04/11/2011 Marian Harkin: „Wir sind noch lange nicht am Ziel“

Marian Harkin, Vorsitzende der Interessengruppe des Europäischen Parlaments zur Freiwilligentätigkeit, sieht eine der obersten Prioritäten des Europäischen Jahres darin, dass die Zivilgesellschaft dem Parlament und der Kommission konkrete Vorschläge liefert. Toute l'Europe.eu, in Partnerschaft mit Sport&Citoyenneté, präsentiert Ihnen ein Interview aus dem vierteljährigen Magazin des Verbands. Gesprächsführung: Carole Ponchon

35 Millionen Europäer engagieren sich ehrenamtlich im Sport, dessen Ökonomie zu 85 % auf Haushalten (69 %) und lokalen Behörden (16 %) beruht. Wie kann Ihrer Meinung nach die sportliche Freiwilligentätigkeit in eine nachhaltige Wachstumsstrategie eingebunden werden?

Marian Harkin:
Eine Strategie zum Sport, die sich als nachhaltig versteht, muss in der Gesellschaft verwurzelt sein, denn von der lokalen Ebene ausgehend wird die regionale, nationale und internationale Ebene gespeist. Die ehrenamtlich Tätigen kommen aus der örtlichen Gemeinschaft und leisten einen ganz wesentlichen Beitrag zum Erfolg einer jeden Strategie in Sachen Sport. Ich habe die Freiwilligen schon oft als unsere wertvollste Quelle erneuerbarer Energie bezeichnet. Weil Ihre Energie und ihr Engagement sich stets erneuern, sind, solange die Menschen sich ehrenamtlich betätigen, Sportstrategien bzw. Sportprogramme de facto nachhaltig.


Anfang des Jahres sagten Sie uns, dass die Aufwertung des wirtschaftlichen und sozialen Stellenwertes der Freiwilligentätigkeit die große Herausforderung des Europäischen Jahres sei. Wurde diese Herausforderung gemeistert?

Marian Harkin:
Was das Werben für den sozialen Wert der Freiwilligentätigkeit betrifft, haben wir einige Fortschritte erzielt. Auf der „Freiwilligentour“ der Europäischen Kommission, die in jedem Mitgliedstaat Halt macht, wird die Arbeit der Freiwilligen auf Landesebene gezeigt und gewürdigt und die Bürger für diese Arbeit sensibilisiert. Leider gastiert die Tour nur in den Hauptstädten, doch in jedem Mitgliedstaat nehmen verschiedene Freiwilligenorganisationen das Europäische Jahr zum Anlass, um auf ihre Arbeit und ihren Einsatz aufmerksam zu machen und, nicht zuletzt, um neue Mitglieder zu gewinnen.

Dieses think tank wurde 2007 gegründet, und beschäftigt sich mit der Stelle des Sportes in den europäischen Gesellschaften. Jede drei Monate veröffentlicht es eine Zeitschrift zu diesen Fragen.


Auch in Brüssel fanden zahlreiche Veranstaltungen statt. Vor ein paar Wochen (vom 7.–11. September) organisierte z. B. das Europäische Jugendforum die größte Veranstaltung der Zivilgesellschaft dieses Jahres. Die EYV 2011 Alliance (Bündnis europäischer Vereine für das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit) spielt dabei eine tragende Rolle, nicht nur bei der Aufwertung der Arbeit der Freiwilligen, sondern auch, und vor allem, bei der Unterbreitung konkreter Vorschläge an das Europäische Parlament und die Kommission.

 

In der Frage des wirtschaftlichen Werts der Freiwilligentätigkeit sind wir hingegen noch lange nicht am Ziel. Von der Internationalen Arbeitsorganisation und der John Hopkins Universität wurde ein Handbuch zur Erfassung der Freiwilligentätigkeit vorgelegt, aber wir haben die Mitgliedstaaten noch nicht überzeugen können, es auch zu nutzen. Obwohl wir natürlich noch auf Fortschritte hoffen, rechne ich bis Ende des Jahres nicht mit definitiven Ergebnissen. Das ist etwas enttäuschend, doch solange das Jahr 2011 als Katalysator wirkt, setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass das Handbuch von allen Mitgliedstaaten angenommen wird, damit innerhalb der EU zuverlässige, solide und vergleichbare Daten gesammelt werden können.


Sie hatten ebenfalls den Wunsch nach einem Grünbuch zur Freiwilligentätigkeit geäußert. Wie ist diesbezüglich der Stand der Dinge?


Marian Harkin: Wir warten in dieser Hinsicht auf eine Mitteilung der Kommission, die für September angekündigt war. Jegliche Antwort der Union in diesem Bereich wird auf diesem Dokument aufbauen. Die Alliance hat dazu beigetragen, den Wunsch der Bürger nach einem solchen Dokument sichtbar zu machen. Sie formuliert übrigens auch weiterhin Stellungnahmen, um die Vorschläge der Kommission und mittelfristig auch die Antwort des Europäischen Parlaments zu beeinflussen.

 

Finden Sie das gesamte Interview, ebenso wie die französische Version auf der Webseite unseres Partners wieder:

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