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23/03/2012 Véronique de Keyser: „Die Unschuld von DSK herzustellen, gehört nicht zu den Prioritäten des Europäischen Parlamentes“

Die Affäre hat im Internet und in der europäischen Presse heute viel Aufsehen erregt: Dominique Strauss-Kahn, ehemaliger Direktor des IWF, wird am 27. März anlässlich einer Konferenz zur Wirtschaftskrise und auf Einladung des Deutschen Alexandre Alvaro (ADLE) ins Europäische Parlament kommen. Das ist ein Besuch, der nicht jedem gefällt. Véronique de Keyser (Belgien, S&D) ist Mitautorin eines Briefes an Martin Schulz der fordert, diesen Besuch abzusagen. Sie erklärt uns warum.

Touteleurope.eu : Aus welchem Grund sind Sie und andere Kollegen gegen einen Besuch von Herrn Strauss-Kahn im Europäischen Parlament am 27. März?

Véronique de Keyser : Das ist eine persönliche Initiative des liberalen Europaabgeordneten  M. Alvaro, der wie es scheint schon vor einigen Wochen – was ich aber nicht mitbekommen habe – Herrn Strauss-Kahn, Herrn Juncker et Herrn Trichet eingeladen hat. Gegen die wirtschaftliche Kompetenz dieses Panels ist sicherlich nicht zu sagen aber es gibt eine Regel bei uns im Parlament, die besagt, dass die Abgeordneten keine persönlichen Initiativen starten dürfen, es sei denn, sie verursachen keine Streit oder keine Konflikte – das soll zur Ruhe in diesem Haus betragen.

Es ist besonders für viele Frauen im Parlament selbsterklärend, dass die Präsenz von  Dominique Strauss-Kahn an sich und den ungeheuren Eindrücken, die im Moment um all die ungelösten Skandale kreisen, nicht mit der Sachlichkeit dieses Ortes zusammenpasst.  Sicherlich wird es Proteste und Demonstrationen geben und viele Frauen – und davon bin ich eine – sind tief geschockt von der ganzen „Affäre DSK“. Und ich spreche nicht einmal von dem Strafverfahren, sondern von einer bestimmten Haltung gegenüber Frauen, von Belästigung und dem Vermischen von Sex und Politik etc. Für uns ist es sehr schockierend, dass er eingeladen wurde – das wird Streit stiften und das ist nicht das, was wir wollen. Wir sind im Europäischen Parlament aber vor allem in Europa in einer schwierigen Situation. Wir brauchen Sachlichkeit in der Debatte und sollten uns zusammen auf die Prioritäten konzentrieren.

DSK seine Unschuld wieder zu geben gehört – jedenfalls für mich – nicht zu den Prioritäten.

Touteleurope.eu : Was war ihre Redaktion bei der Ankündigung dieses Besuches? Haben Sie den offiziellen Weg gewählt, um sich dagegen zu stellen?

Véronique de Keyser : Das ist ein persönliches Unterfangen. Wir haben letzten Donnertag während der Nachmittagssitzung im Parlament darüber diskutiert und wir haben uns gesagt, dass das so nicht durchgehen kann. Das Europäische Parlament ist keine Ort für einen Medien-Coup.

Wir waren drei Frauen an diesem Nachmittag, Isabelle Durant (Belgique, ADLE), Zita Gurmai (Hongrie, S&D) und ich selbst, die sich sagten, dass man einen Brief an den Parlamentspräsidenten Martin Schulz schreiben muss. Dieser kennt uns alle persönlich. Dieser Brief zirkulierte dann im Parlament und ist erst gestern raus. Das hat einen Rummel geschaffen – ganz im Gegenteil zu der Ruhe, die ich eigentlich herstellen wollte. Aber wir haben den Brief an alle Mitglieder des Parlamentes geschickt und das hat viele Reaktionen verursacht und mich darin bestätigt, dass die Anwesenheit von Dominique Strauss-Kahn die Gemüter erhitzen wird.

Touteleurope.eu : Was ist ihre Reaktion, wenn die Einladung bestehen bleibt?

Véronique de Keyser : Ich würde aus meiner Ablehnung dieses Besuchs sicher keinen Hehl machen, denn das macht man so im Parlament. Diese ganzen Affären von Herrn Strauss-Kahn, mit all dieser Überheblichkeit zu der er ein Recht hat und das ich respektiere –  ich zitiere nicht einmal die Affären um Sofitel und Carlton – sind ein Mix aus Sex, Politik, Skandal und Medien...Gibt es kein Mittel woanders über Wirtschaft zu diskutieren als im Parlament, wenn es schon darum geht, viel Aufsehen um ein Ereignis zu machen?

Also ich protestierte ruhig und gelassen aber ich bin schockiert und ich finde das unanständig und deplatziert.

Touteleurope.eu : Was waren die Reaktionen auf ihre Initiative inner- und außerhalb des Parlamentes?

Véronique de Keyser : Ich habe Reaktionen von französischen Bürgern bekommen, die über die Medien informiert wurden und die mir gesagt haben, dass sie aus Frankreich anreisen würden, um ihn daran zu hindern, ins Parlament zu kommen!

Man muss aber auch verstehen, dass dies keine gezielte Aktion ist, die von Anfang an geplant war, um einen medialen Rummel zu erzeugen. Aber wir denken, – im Namen der Regel zur Organisation von Veranstaltungen im Parlament –  dass Martin Schulz die Macht hat, den Organisatoren wenigstens vorzuschlagen, sich einen anderen Ort zu suchen. 

Dieses Parlament hat immer mehr Schwierigkeiten nicht zu einen medialen Jahrmarkt zu werden. Wenn der Rummel wie dieses Mal sehr groß ist, dann spielen die eigentlichen Debatten keine Rolle mehr. Es wird damit die „rote Linie“ überschritten.


23/03/12, claude :
Tout à fait d'accord avec Madame de Keyser, ce personnage n'a rien à faire dans ce type d'enceinte officielle. Il est anormal de lui donner un siège et une tribune dans cette enceinte, et de prendre ainsi le risque d'insulter bon nombre d'européens, femmes ou hommes.
Il est également choquant que ce monsieur accepte ce genre de proposition, et qu'il n'ait pas la décence d'attendre que les différentes justices saisies se soient prononcées sur son cas.
Il est important que Madame de Keyser sache que sa démarche est suivie et approuvée par beaucoup et que nous la soutenons dans cette lutte pour la décence et la morale.
Il est également important que le Parlement européen sache que recevoir ce monsieur n'est pas de nature à redorer l'image de l'Europe et qu'il serait souhaitable, pour la clarté de son image, que cette invitation extrêmement choquante pour beaucoup, soit annulée. Il serait plus sage et moral que l'on attende que la justice se prononce au lieu de tenter de façon cachée, de "refaire une virginité" à ce personnage dont l'image sulfureuse, méritée ou pas, ne véhicule pour le moment pas de messages bien positifs aux yeux des citoyens européens et de leurs enfants..
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19/10/12, Raoul Marc :
Bravo ! Pour ceci et pour toute votre action.
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